„Ich tu alles, aber mach das Ding aus!“

Eines sollte vorab geklärt sein: Der Autor unternimmt diese Kolumne hier keineswegs aus seiner Freiwilligkeit heraus. Allerdings brauchte er zugegebenermaßen eine ziemliche Weile, um dies auch nur ansatzweise zu kapieren. Er wurde anhand gewisser Umstände sowie Gegebenheiten während eines diversen Ausflugs nach Köln schlichtweg vom Betreiber dieser recht brasilianisch (oder so) lästigen Seite überrumpelt (von Nötigung darf er aufgrund Mangels an Beweisen in rechtlicher Hinsicht nicht schreiben), dies zu tun.

Aber er zeigt sich selbst schuld. Hätte es ihm doch in all seiner kurzsichtigen Weitsicht von Beginn an klar sein dürfen. Nein, müssen. Aber der Reihe nach.

Sie müssen sich im Klaren sein, das letzte Spiel des FSV auf fremden Platz besuchte der Autor vor ziemlich genau vier Jahren. In Wiesbaden. Bei diesen komischen rotweißen, deren Namen ihm entfallen ist, welche sich seinerzeit dort in einem überdimensionalen Bauarbeiter-Containers eingenistet hatten. Doch tauchte er plötzlich vergangene Woche auf und meinte, er müsse nun mit nach Köln fahren. Einfach mal so. Und schaute dabei in nicht wenige ungläubige Gesichter. Einem Anhänger des beheimateten FSV Frankfurt, der bekanntlich doch nie das Stadion aufsucht, fällt zur Überraschung nahezu sämtlicher Beteiligten plötzlich ein, sich unter der Woche von seiner Arbeit befreien zu lassen, um einem scheinbaren Spektakel beizuwohnen. Entsprechender Argwohn war demnach angesagt und durchaus berechtigt.

Nein, dies konnte demnach nicht gut gehen und es ging bereits mit der Busfahrt in die Domstadt nicht gut. Das positive zu diesem Zeitpunkt, es gab Bier. Das weniger positive, es gab kein richtiges. Vielmehr drohte die ursprünglich ordentliche Stimmung nach nur wenigen Kilometern bereits zu kippen, als man in Not wie eine Horde sabbernder Zombies den Rucksack eines uns allseits bekannten Marketingexperten zu plündern wagte. Mit dem Ergebnis, dass man wohl erst recht zu derartigen mutiert, erblickt man das Etikett der Beute. Licher ist ja schon recht schlimm, aber welche Bezeichnung fällt Ihnen denn bitteschön zu Binding Export ein? Nun, der Autor dieses Beitrags erteilt sich selbst freimütig die Schuld für diesen Umstand. Gewisse Perversitäten entsprechender Mitstreiter hätten ihm einfach bekannt sein müssen, womit er im Vorneherein anhand Eigenbeschaffung hätte entgegensteuern können. Hat er aber nicht. Weil er wieder mal zu gutgläubig, sich auf andere zu verlassen und nicht zuletzt einfach zu blöd war.

Mit einiger Sicherheit kennen Sie das Gefühl. Der Moment, einen Song zu hören, welcher Ihnen eigentlich gefällt, jedoch spätestens nach einer gefühlten Stunde dann doch irgendwie gehörig auf diverse Körperteile überspringt, womit es dann einem in der Regel doch nicht mehr so sehr angenehm erscheint. Aber auch dies hätte der Autor vorher sehen müssen, hatte der Chauffeur dieses Busses doch anhand seines, immer wieder faszinierendem sowie bundesweit beliebtesten Dialektes nach anfänglich scheinbar herzlicher Begrüßung sowie nachfolgend halbstündiger sämtlicher Drohungen, welche ihm gerade so in den Sinn kamen, mehr oder weniger angekündigt gehabt. „Nooö, ich höar eene Cädäää ümmer bis zum Schluss. Mäargt Oich dös mol.“ entgegnete er uns dann gar nach unendlichem Bitten und Flehen, er möge doch nach einer dreiviertel Stunde endlich von der Fanhymne ablassen. Womöglich meinte er mit „Schluss“, bis der Laser das Teil komplett auflöst, man weiß es nicht. So wurden wir nicht minder von dem Mann erlöst, welcher seine eigentliche Funktion darin sieht, dieses gefühlte dreieinhalb Meter große (Un?)Wesen in seiner Daseinsberechtigung zu unterstützen, welches zwar von seiner Gesinnung her liebend gerne Monster wäre, es aber aus nicht bekannten Gründen irgendwie einfach nicht sein darf. Gesellschaftszwang halt. Jedenfalls wissen wir nach wie vor noch weniger, ob er Frankies Wunschträumen nachkam oder womöglich doch eventuell latente masochistische Neigungen aufwies, als er vom Oberdeck des Gefährtes die Worte herunter brüllte, welche den Titel dieses unsäglichen Artikels zieren. Selbst auf die Gefahr hin, dass der Chauffeur uns doch noch nach Bitterfeld transportieren würde.

Irgendwann kamen wir dann doch noch dort an, wo wir alle hin wollen zu glaubten. Nämlich irgendwo in der Nähe von Phantasialand. Der NVA-Panzergefreite verabschiedete die Gesellschaft zum erweiterten Zapfenstreich, welcher erste Gedanken Hunger und Durst waren. Oder umgekehrt. An dieser Stelle ließ der Autor sich ein weiteres Male verführen, in dem er vom Marketingexperten wie ein Blinder an die Hand genommen und womöglich aufgrund einer Gravitationsscheide zur gegenüberliegenden Tribüne der heimischen Anhängerschaft geführt wurde. Klar, wollte er doch unbedingt einmal im Leben in schwarzblau unter vielen Rotweißen sein. Einmal reichte dann allerdings auch für den Rest des solchen.

Aber was war denn jetzt endlich mit Speis und Trank? Zurück in vertrauter Gesellschaft gönnte sich der Autor ein Getränk, welches ihm eher unwürdig erschien und eine Bratwurst. Ob Sie es glauben oder nicht, die war wirklich nicht schlecht. Wie? Aber ich bitte Sie, wie um Himmels Willen kann etwas schlecht sein, was de facto gar nicht existiert? Dazu bedarf es allerdings der Erklärung, dass es sich hierbei um ein Meisterwerk visueller Illusion handelte, welches seines gleichen sucht. Sie müssen sich vorstellen, man hält etwas Essbares in der Hand, beißt hinein und spürt … rein gar nichts. Eine optische Täuschung etwa, also eine Fata Morgana, nennen Sie es wie Sie wollen.

Nun wissen Sie ja spätestens seit dieser dubiosen sowie unseriösen Veranstaltung vergangen Sommers, dass nichts, aber auch wirklich nichts so ist, wie es scheint. Aber ja, die Welt ist voller Gaukler und ein jeder Konsument wird zudem beschissen, dass die Schwarte kracht. Da kommt Freude auf, Hauptsache man glaubt an etwas und bildet sich sonst was ein. Wie beispielsweise die merkwürdig aufgesetzte Stimmung unter all diesen rotweiß gekleideten Menschen, die höchstwahrscheinlich zum Großteil eingeblendet wurden. Na, wenn man schon eine nicht vorhandene Bratwurst in der Hand hält, so dürfte dies in technischer Hinsicht genauso machbar sein. Es könnte sich auch um ein Déjà-vu des Autors gehandelt haben. Wie damals bei diesen suspekten Individuen dieser Mannschaft, wessen Name im nach wie vor nicht einzufallen gebietet. Tausende eigentlich nicht vorhandene Menschen, die sich mit rotweißen Schals den Hals zuschnüren und sich anschließend damit Luft zu zu wedeln, schreien wie am Spieß und sich dabei noch von einem Ziegenbock aufhetzen lassen. Ganz ehrlich jetzt: ist das bekloppt?

Was das Spiel betrifft, so ist nicht ganz geklärt, ob überhaupt eines tatsächlich statt fand. Zumindest weigert sich der Autor vehement, eines gesehen zu haben, auch konnte man ihm bisher das Gegenteil nicht beweisen. Sehen und hören sowie erzählen und berichten kann man ja schließlich so einiges. Wie bitte? Ja klar, auch die Renten sind bekanntlich sicher. Und der Euro erst recht. Sicher an diesem Abend war jedenfalls nur zwei Dinge. Zum einen die noch schlechtere Stimmung, welche uns auf der Rückfahrt in heimatliche Gefilde begleitete und zum anderen, dass der Autor ein letztes Mal überrumpelt wurde, in dem er genötigt wurde, diesen Unsinn hier niederzuschreiben.

Wie dem auch sei, er entschuldigt sich für sämtliche Unannehmlichkeiten und übernimmt die volle Verantwortung für alles. Für das Spiel des FSV in der rheinischen Domstadt sowie dessen Ausgang, für die allgemeine Stimmung sowie Aussetzern unter den Anhängern und nicht zuletzt für all die geschmacksverirrenden Getränke, welche letztgenannten nicht nur im Bus präsentiert bekamen. Er bekennt sich schuldig und hätte eigentlich gar nicht dabei sein dürfen. Zudem gibt er freimütig zu, diese Veranstaltung nur besucht zu haben, weil er endlich mal das Gefühl kennen lernen wollte, bei Regenwetter unter einem Dach zu stehen. Im Falle einer solchen Begegnung in der heimatlichen Spielstätte wäre er womöglich zu Hause geblieben. Abschließend möchte er noch einen Tipp an alle depressiven Menschen, sämtliche Burnout-Geschädigte und sonstige Karnevalisten richten. Haben Sie ernsthaft vor, Ihr freiwilliges Ableben zu planen, so fahren Sie nach Köln, legen Sie sich möglichst eng einen rotweißen Schal um den Hals, ziehen, fuchteln und wedeln Sie ganz dolle damit. Schreien Sie dabei wie ein wilder Österreicher und halten Sie in der anderen Hand ein Glas alkoholfreies Kölsch. Letzteres verleiht Ihrem Freitod Plausibilität. Und nicht vergessen: warten Sie auf das Kommando des Ziegenbocks. Sonst ergibt das Ganze keinen Sinn.

In der nächsten Ausgabe verrät Ihnen der Autor die wahren Hintergründe des Klopp’schen Jugendkonzepts sowie, warum sich statistisch gesehen 81,7 Prozent aller italienischen Eisverkäufer anhören wie Donald Duck.

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3 Gedanken zu „„Ich tu alles, aber mach das Ding aus!“

    1. Drucker

      Wenn nur diese Grammatikfehler nicht wären *seufz*.

      Ich sollte es wirklich unterlassen, morgens um vier noch Texte zu verfassen … 😉

      Antwort

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