Das war’s. War was?

Liebe Frankymaniacs,

seit einer Woche ist die Saison vorbei, der Restalkohol ist endlich rausgeschwitzt und man kann jetzt mit klarem Blick und ungetrübtem Verstand einen verklärenden Blick zurück werfen auf die Saison 2011/12.

Die gerade abgelaufene Spielzeit stand ganz klar unter dem Zeichen des Derbys. Du meine Güte, so viel wie in diesem Jahr habe ich mich die letzten 20 Jahre nicht mehr mit der Eintracht beschäftigt. Dass wir zusammen mit den Nachbarn vom Riederwald in einer Klasse spielen würden, das war die Erfüllung manch eines schwarz-blau-kolorierten feuchten Traumes und machte die Bernemer reihenweise wuschig. Weniger traumhaft, eher schon, um im Bild zu bleiben, alptraumhaft gestaltete sich dann das tatsächliche Aufeinandertreffen im Stadtwald. Zumindest, was das Geschehen auf dem Rasen anlangte. Feindseligkeiten zwischen den Fangruppen blieben ja glücklicherweise aus. Im Gegenteil, die ein oder andere zu beobachtende Verbrüderungsgeste ließ manch einen Bernemer Sympathisanten die abschätzige Bezeichnung „Kuschelderby“ entfahren.

Tja, die sportlichen Kräfteverhältnisse regelten die Adlerträger ziemlich eindeutig zu ihren Gunsten, aber wie sieht es denn jetzt aus, das Verhältnis von FSV zu SGE? Wie das des Imperium Romanum zum gallischen Dorf? Oder wie das von großem zu kleinem Bruder? Viele Schwarz-Blauen fanden letztgenannten Vergleich unzutreffend, gar empörend. Ich möchte mich dem anschließen: Nein, liebe Leute, wir sind nicht der kleine Bruder! Eher schon die kleine Schwester. Und, Ihr Rot-Schwarzen, merkt‘s Euch ein für alle Mal: So geht man nicht um mit der kleinen Schwester. Da hat ja selbst Bart Simpson mehr Taktgefühl. Ich kann nur sagen, ich bin froh, dass die Eintracht endlich wieder raus ist aus unserer Liga. Die groben Klötze konnten einfach nicht mit uns umgehen, überhaupt kein Feingefühl. Geht halt wieder mit den großen Buben spielen. Aber wenn die dann gemein zu Euch sind, dann kommt uns in einem Jahr bloß nicht wieder heulend angekrochen! Dann kratzen wir und ziehen Euch an den Haaren!

Apropos Eintracht, das bringt mich auf ein anderes Thema: Fußball und Sexismus. Manche FSV-Fans halten es für originell, die SGE abschätzig als die „Menstruations-Pestfarbenen“ zu bezeichnen (Menstruation steht für Rot, Pest für Schwarz). Hier muss ich als Franky- und sonstiger Minderheitenbeauftragter einmal laut „Stopp!“ rufen. Was habt Ihr elendigen Machos gegen Menstruation? Wieso ist das Nebenprodukt des weiblichen Fruchtbarkeitszyklus etwas, dem man mit Ekel begegnet und das dafür geeignet erscheint, als Schimpfwort missliebige Fangruppen abschätzig zu klassifizieren? Natürlich gibt’s für solche Flegeleien keinen argumentativ tragfähigen Grund. Wahrscheinlich beruht diese Manifestation des Sexismus auf einer Art Menstruationsneid bei Männern, die maximal eine schlichte Hämorrhoiden-Blutung ihr Eigen nennen können. Schämt Euch was!

Was gab’s außer Eintracht noch dieses Jahr? Ganz klarer Fall: den Bock. Festgemauert in der Erden stand das Vieh, vom 15. April 2011 bis zum 26. Februar 2012. Alle Versuche von Boysen und seinen Boys, das sture Vieh umzustoßen, scheiterten kläglich, es wollte einfach ums Verrecken nicht weichen. Die Sturheit immerhin hatte der Bock mit Boysen gemein. Und letztlich sind wir sie auch beide losgeworden. Erst den Trainer, dann den Bock. Und seither, seit der Bock fort ist, weil Boysens Nachfolger einen mutigen, offensiv ausgerichteten Fußball spielen lässt, hat man auch wieder richtig Bock, sich ein FSV-Spiel anzusehen. Schluss mit Maso! Postskriptum: Die Redewendung „den Bock umstoßen“ lässt sich übrigens nicht so ohne weiteres eindeutig herleiten. Am ehesten kommt der alte Fluch „dass Dich der Bock stoße” als Quelle in Betracht, was so viel bedeutet wie „dass Dich der Teufel schände”. Brrr, ist ja direkt unappetitlich. Gut, dass er fort ist, der diabolische Bock.

Da wäre ja noch unser Dauerbrenner Tribüne, der uns auch in dieser Saison ein wenig beschäftigt hat. Immerhin, wie der Bock ist auch sie endlich umgestoßen worden. Und seit sie fort ist, läuft’s. Sowohl sportlich als auch stimmungsmäßig. Vielleicht bleibt sie ja auch zukünftig weg, weil an ihrer Stelle ein Öl-Förderturm errichtet wird, der die kürzlich unvermutet aufgefundenen Vorkommen an schwarzem Gold erschließt. Seit die Rohölpreise so arg gestiegen sind, dürfte damit auch mehr zu erwirtschaften sein als mit doofen Logenplätzen. Ich empfehle der FSV-Geschäftsführung, über die Sache mit der neuen Haupttribüne unter diesem Aspekt noch mal neu nachzudenken. Beim Frankfurter Sportdezernenten jedenfalls dürfte man damit wohl offene Türen einrennen.

Bleibt noch die Sache mit dem Dach. Ja genau, so ein Ding, das Regen abhält, das an so ziemlich jeder Bushaltestelle aufzufinden ist, aber nicht auf den Stehtribünen des Stadions am Bornheimer Hang. Da ja der Versuch, die Sache beim Frankfurter Bürgerhaushalt voran zu bringen, nicht ganz so erfolgreich ausging, müssen wir zukünftig eben andere Saiten aufziehen und auf außerparlamentarischem Wege mit ungewohnter Härte vorgehen. Zum Beispiel mit Gesang. Etwa so (zu der Melodie von „Ein Bett im Kornfeld“):

Ein Dach am Sportfeld,

des muss immer noch bei,

denn es ist Sommer,
und es reschent enei.

 

Ein Dach am Sportfeld,

des is des Ding,
von dem wir träumen!

Bitte für die nächste Saison schon mal auswendig lernen und sich mit der Melodie vertraut machen.

Spaß beiseite; der Umstand, dass dem Stadion ein Dach fehlt, ermöglicht es mir immerhin, mich jetzt einigermaßen elegant aus diesem Text zu verabschieden, passt dies doch sehr gut zum oben genannten Vergleich des FSV mit dem gallischen Dorf: Wir Bernemer haben vor nix Angst, außer davor, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt.

In diesem Sinne wünsche ich eine vergnügliche Sommerpause. Wir sehen uns dann, im O-Block, im fünften Jahr in der 2. Bundesliga. Und dann stoßen wir den Kölner Geißbock um.

Es grüßt Euch herzlichst
Euer aller
Frankybeauftragter.

 

 

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5 Gedanken zu „Das war’s. War was?

  1. Hermann1947

    Sehr guter Beitrag, aber wir sind der ältere Bruder (keine Namensänderung in 113 Jahren), es heißt ja auch D I E SGE und D E R FSV, alles klar?
    Gruß Hermann

    Antwort
  2. Tartan Army

    also das copyright auf die menstruationspestfarbenen hab ja wohl ich.
    ohne eine diskussion beginnen zu wollen sei bemerkt, dass die menstruation aufgrund ihrer nebenwirkungen auch von weiblicher seite nicht unbedingt als angenehm empfunden wird, was dann eher denvon mir gemeinten bezug zu dem so bezeichneten verein beschreibt und den als sexistisch bezeichneten vorwurf vielleicht etwas relativiert.
    hämorrhoidenpestfarben ist natürlich viel besser. vielleicht mit einem geplatzte vorneweg?
    teamwork ist alles.

    Antwort
  3. Thomas Hang

    Andreas Beitrag ist in kabarettistischer Hinsich einfach nur perfekt. Chapeau!

    Ulis Antwort dagegen ist einfach nur geil.

    🙂

    Antwort
    1. wacho_chorro

      Was meinst warum wir uns den Frankybeauftragten für die nächsten 99 Jahre gesichert haben.

      Wir kennen die kleinen, schmutzigen Geheimnisse aus seinem Bau !!!!! 😉

      Antwort

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