Klei di an‘n mors!

Mönschenkinder, was war das wieder für ein Spiel!

Wohl dem, der vorschriftsmäßig seine Tropfen genommen hatte. Rund um den Hang war alles angerichtet für ein Fußballfest. Pauli war zu Gast, jener Verein, der samt seiner Fanszene in Bornheim einige Sympathien genießt und der noch oben in der Tabelle um Platz 3 kämpft. 10.000 Bornheimer wollten das Match sehen, fast genauso viele hielten mit den Farben der Gäste. Und da ja noch immer diese Leerstelle im Stadionrund klafft, rückte man enger zusammen und stand schließlich Mann an Maus im Block. Kuschelig war‘s, was der vortrefflichen Stimmung ganz zu Pass kam, und der O-Block schmiss vor Spielbeginn nach Kräften mit Konfetti und Luftschlangen in Vereinsfarben. 20 Minuten nach Anpfiff schwebten die Bernemer auf Wolke 7. Die Worte „Europapokal“, „Schützenfest“ und „I werd narrisch“ lagen in aller Munde, wildfremde Menschen – Diplomingenieure und andere – busselten sich hemmungslos ab. 3:0 gegen den Aufstiegsanwärter: Sollte man tatsächlich Augenzeuge eines historischen Kantersieges werden, von dem man sich am Hang noch in 100 Jahren erzählen würde?

Gesprächsstoff gab das Spiel am Ende reichlich ab, doch die anfängliche Euphorie wandelte sich ebenso schnell in Ernüchterung, dann in blankes Entsetzen. Das 3:1 hatte sich Pauli ja noch nach starker Einzelleistung von Ebbers redlich verdient. Beim 3:2 half dann der Schiri. Das Glück von Cottbus, als Marcel Gaus im Laufduell im Strafraum zu Fall kam und der FSV einen Elfmeter zugesprochen bekam, wurde nun doppelt mit Pech vergolten. Platzverweis für Schlicke und Elfer für Pauli. Ich hoffe, alt genug zu werden, um es nur einmal zu erleben, dass Klandt mal einen Strafstoß pariert. Der Mann hat ja ganz unzweifelhaft hervorragende Qualitäten, das Abwehren von Elfmeterschüssen gehört allerdings nicht dazu. Mit 3:2-Vorsprung ging es in die Pause – 15 Minuten durchatmen und den Puls herunterdimmen. Und dann ein Wiederbeginn, wie man ihn in Bernem schon so oft durchlebt hat: Tor für den Gegner unmittelbar nach dem Anpfiff. Der schöne Vorsprung war dahin und jetzt war Zittern angesagt. Pauli rannte in der Folge mit einem Mann mehr auf dem Platz eine Halbzeit lang auf Klandts Kasten an, scheiterte aber wieder und wieder, teils wegen extremer Dabbischkeit. Der FSV brachte kaum noch Entlastung zustande, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet war, dass gefühlte 100 Abschläge von Klandt ausnahmslos zu unmittelbarem Ballbesitz des Gegners führten. Man kann ein Spiel übrigens auch von hinten heraus aufbauen anstatt den Ball blind nach vorne zu bolzen – einen Versuch wär’s jedenfalls mal wert. Heilfroh, wenigstens am Ende das 3:3 und damit einen Punkt gerettet zu haben, den man vor Anpfiff sofort genommen hätte, vernahmen die Bernemer schließlich nach schier endloser Nachspielzeit den Schlusspfiff des Schiedsrichters.

Was mit vorletzter Tinte unbedingt mal gesagt werden muss: Sportjounalje, klei di an’n mors!!! Schon gegen Aachen, so erfuhr man es im TV, waren ausschließlich ganz tolle Fans im Kartoffelkäferlook im Stadion, abgesehen von einem einheimischen Rentnerpärchen, das noch nicht mal mehr eine Zigarette anzuzünden vermochte. Beim Spiel in Cottbus waren mehr Spieler in Schwarz-Blau im Stadion als mitgereiste Fans. Und gegen Pauli, so tönte es abends aus dem Empfangsgerät, waren die Gästefans selbstverständlich in der Überzahl. Ergänzend dazu eine Bildstrecke im Internetauftritt einer Lokalzeitung, wo ausschließlich Paulifans gezeigt wurden, die, so die Bildunterschrift, „Stimmung machten“. Bernemer Fans: Fehlanzeige. Wahrscheinlich waren gar keine da. Und Stimmung? Gibt’s exklusiv im Gästeblock. Hallo Fernsehen, Zeitungen, Medien: Euer bescheuertes Bernem-Bashing hat sooo einen Bart. Aber ihr werdet uns trotzdem nicht los! Ätsch.

Es grüßt Euch brutalstherzlich

Euer aller Frankybeauftragter

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2 Gedanken zu „Klei di an‘n mors!

  1. bobbie

    Ich fand die weiten Abschläge von Klandt gar net so schlecht. So lange der Ball in der Luft war, war wenigstens kein Hamburger dran.

    Antwort

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