Früher war ich eine Dose

Jürgen Trittin, der Du uns das Dosenpfand beschert hast, Du bist schuld! Schuld am mickrigen 1:1 des FSV Frankfurt im Heimspiel gegen den FC Erzgebirge Aue. Denn würden nicht seit gut einem Jahrzehnt alle leer gegluckerten Getränkedosen unbarmherzig samt und sonders dem Kreislauf der Altmetallwiederverwertung zugeführt, gäbe es auch keine solch überdimensionierten Pfosten und Latten aus Aluminium, die immer just dann den entscheidenden halben Zentimeter zu ausladend im Wege herumstehen, wenn ein Recke in Schwarz-Blau zum finalen Torschuss ansetzt. Viermal, manche haben sogar fünfmal gezählt, hat es Klatsch! gemacht. Aber heraus kam keine Klatsche für Aue – wirklich saublöd, das Ding mit diesen Vollpfosten. Also echt, jetzt!

Themenwechsel: Viachaslau. Ich dachte, ich lese nicht richtig, beziehungsweise die FAZ. War sie aber nicht, es war die FNP. Dabei ist es ja für gewöhnlich die FAZ, die solch lustige Spielchen bei der Latinisierung arabischer, slawischer oder sonst wie „exotischer“ Namen mit uns Lesern treibt und sich dabei gerne mal eine Extrawurst brät. Aus El Kaida wird bei der FAZ Al Qaida, aus Osama Bin Laden wird Usama Bin Ladin (was zugegebenermaßen den Vorteil hat, den Terrorchef nicht so behände mit dem 44. Präsidenten der USA verwechseln zu können, was anlässlich der Berichterstattung über die Erschießung des Letzt-, nein, des Erstgenannten, also des Osama bzw. Usama, ein beliebter Sport in den Nachrichtenredaktionen gewesen war), beispielsweise. Aber, das Blatt zum kluge Köpfe hineinstecken war in diesem speziellen Fall, dem Fall des neuen rechten Bornheimer Läufers, aber mal so was von konformistisch auf Wjatscheslaw-Stromlinie mit dem Gros der schreibenden Zunft (allein gegen den Strom: FNP und FSV-Pressestelle), dass es so eine Art hatte. Viachaslau – der Name ließ mir einfach keine Ruhe. Gott und die Welt (also nicht die Zeitung jetzt) schrob Wjatscheslaw und ich frug mich innerlich, ob Viachaslau nicht ein Synonym sein könnte für Ladislaus. Da waberten nämlich noch ferne Erinnerungen an das ganz entzückende Kinderbuch Annabella und Ladislaus von James Krüss in meinem Unterbewusstsein herum. (Kann man übrigens nur empfehlen, die Lektüre, nicht das Unterbewusstsein! Müssen ja nicht immer nur der Kicker oder solche Blogs hier sein, darf auch gerne mal gute Literatur sein.) Eine kurze Recherche ergab dann, dass ich auf dem falschen Dampfer segelte und Wjatscheslaw eingedeutscht nicht Ladislaus sondern Wenzeslaus heißt, der wiederum besser bekannt ist in seiner Kurzform Wenzel. Also, liebe Onomastiker in den Sportredaktionen, schreibt doch bitte in Zukunft einfach „Wenzel Gleb“. Gleb mit G wie Gustav (jetze aba ma nüsch Balinern, wa, von wejen Justav un so), denn den Buchstaben H gibt’s nicht im Russischen. Übrigens: Ob er, der Wenzel Gleb, über eine schöne rechte bzw. linke Klebe verfügt, ließ sich anhand seines ersten Punktspiels für Schwarz-Blau leider noch nicht sagen. Ansonsten gilt der alte Spruch: Glebbe geht weider! Und noch ein Wortspiel hinterher: Dem Wjatscheslaw Beine machen, auf Bairisch, geht so: „Da hast a Watschen, laaf!“

Themenwechsel: Schisma. Die Fraktionierung von Block N schreitet sichtbar voran. Eine Gruppe Ultras hat sich jetzt sowohl farblich (rot!) als auch räumlich von der Masse in Block N abgesetzt. Die cineastisch Belesenen unter den FSV-Fans ziehen schon treffsichere Vergleiche zu Zuständen im alten Palästina, wie sie uns Monty Python in „Das Leben des Brian“ so anschaulich vor Augen geführt hat. Ich finde, jedem Fan seinen eigenen Block, Platz genug haben wir ja schließlich. Und leckere Otternnasen gibt’s doch bereits jetzt schon beim Caterer der Herzen.

Letzter Themenwechsel: Weihnachten. Ich habe kürzlich die erste Weihnachtswerbung entdeckt. Anfang September. Ich frage mich: Warum erst jetzt? Keine 15 Wochen mehr, und es ist Weihnachten!

Eine besinnliche Adventszeit wünscht Euch
Euer aller Frankybeauftragter.

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4 Gedanken zu „Früher war ich eine Dose

  1. Drucker

    Mensch Wösi, resch Disch doch net so uff.

    Das mit dem Wachslaff oder wie der jetzt heißen mag, das iss völlig normal. Die Weißrussen können da selbst nix dafür, zumal die der Perestroika immer noch dermaßen verunsichert sind … was zur Folge hat, daß sie die Schreibweise ihrer Namen nahezu wöchtentlich wechseln.

    Jetzt aber mal ohne Mist: seit sein „berühmter“ großer Bruder hierzulande herauskam, hat bis heute allein das selbsternannte Zentralorgan des Deutschen Fußballs mindestens 15(!) verschiedene Schreibweisen des großen Alexanders publiziert. Ohne Scheiß, eher sogar mehr. Das Problem liegt unter anderem darin, daß Belarussland seit 20 Jahren versucht, von russisch auf weißrussisch zurückzukehren, aber irgendwie nicht hin bekommt, wie dies nun funktionieren soll und demnach immer noch ein ziemliches Mischmasch herrscht. bzw. womöglich gar nicht mehr ausführliche Kenntnisse über seine ursprüngliche Sprache mehr besitzt. Ist halt so. Fakt ist, daß die Menschen dort drüben selbst nicht mal richtig wissen, wie sie sich denn nun zu buchstabieren haben.

    Von daher werden wir über unseren frischgebackenen Rechtsaußen noch so einige neue Schreibweisen bezüglich seines Vornamens zu hören und lesen bekommen. Deshalb schlage ich vor, daß wir alle schnellstmöglich einen Spitznamen für ihn entwickeln sollten … 🙂

    Antwort
    1. Frankybeauftragter

      Hallo Drucker,
      interessante Ausführungen.
      Einen Spitznamen für den Wenzel hätte ich schon: Watscho.
      Ach so, hm, mir fällt gerade ein, dass da einer was dagegen haben könnte…

      Antwort
  2. Robert

    Der bürgerliche Name lautet (laut Transfermarkt.de)
    Глеб, Вячеслав Павлович
    Phonetisch gesprochen also „Wjat’scheslaw Pawlowitsch Gleb“. Und was die Sportreporter daraus machen … nun ja. Man muss ja schon froh sein, wenn die überhaupt irgend eine Sprache lesen und schreiben können.

    Antwort

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