Mannschaft setzt Boysens Vorgaben um

Ja, FSV-Trainer Hans-Jürgen Boysen hatte nicht zu viel versprochen, als er sich neulich der FNP gegenüber verplappert und Verständnis bezüglich nachlassender Spannung bei vorzeitigem Erreichen des Saisonziels in Aussicht gestellt hatte. Nun gut, diese sportlich etwas eigenwillige Aussage hatte der Trainer recht schnell wieder revidiert und fiebrig von einer hungrigen, spielfreudigen und siegeswilligen FSV-Mannschaft fantasiert, die nichts sehnlicher begehrt, als ihrem Publikum im Ringen mit dem MSV Duisburg drei Punkte zu schenken.

Bezüglich des Spielverlaufs gibt es nicht viel zu sagen, es sei lediglich – um der Chronistenpflicht zu genügen – erwähnt, dass die stark ersatzgeschwächte Mannschaft der Zebras, die seit ihrem Einzug ins DFB-Pokalfinale in der Liga nicht mehr aufs Tor geschossen hatte, einer hungrigen, spielfreudigen und siegeswilligen FSV-Mannschaft, die nichts sehnlicher begehrte, als ihrem Publikum drei Punkte zu schenken, vier Dinger einschenkte.
Damit will ich es mit näheren Einlassungen zum Spielgeschehen bewenden und stattdessen dem geneigten Leser Raum für eigene Notizen lassen:

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Im O2-Block herrschte eine Stimmung wie bei einer Veranstaltung der Senioren-CDU. Kein Wunder, angesichts des auf dem Rasengeviert Dargebotenen verloren die Oldtras doch recht fix die Spannung, einige sackten nach der Pause förmlich in sich zusammen und plumpsten, vernehmliche Pfeifgeräusche absondernd, auf die Stufen der Stehtribüne, wo sie fürderhin sitzen blieben. Nicht überliefert ist, ob Fan-Nanny Jürgen Eimer die Kraft fand, um seinen Spruch aufzusagen, wie er es in solchen Situationen mit Schweizeruhrwerksverlässlichkeit immer tut, gepasst hätte er jedenfalls: „So ein schöner Tag, wenn bloß das Spiel nicht wär!“
Nicht wenige ließen sich in der Folge vom fußballähnlichen Geschehen nicht weiter stören und gaben sich anderen, reizvolleren und lohnenswerteren Beschäftigungen oder Beobachtungen hin. So wurden intensive Gespräche mit lange verschollen geglaubten Bekannten geführt, die halbstündige Wartezeit vor der den Blick aufs Spielfeld gnädig verdeckenden Bierbude voll ausgekostet, die Jüngeren packten ihre Lenkdrachen aus und nutzten die verlässlich frische Brise im O2-Block zum Kiten, andere zählten die auf der A 661 vorbeifahrenden anthrazitfarbenen PKWs. Es waren insgesamt 4.821 Fahrzeuge, genauso viele, wie zum Fußi-Gucken ins Stadion gekommen waren. Ein Großteil derer, die einen sporadischen Besuch am Hang absolvierten, freut sich gewiss schon aufs nächste Mal. Den Mund wässrig hat Hans-Jürgen Boysen auch den reiselustigen FSV-Anhängern gemacht, die bereits das Ticket nach Augsburg gelöst haben: „Mit der Einstellung und Spielweise wie heute kriegst Du in Augsburg 6“, gab der Trainer, der hier mit einem böswillig verkürzten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat aus der Pressekonferenz wiedergegeben wird, die Marschroute für die kommende Woche vor.

Solch ein Ergebnis wäre indes gar nicht schlecht, denn so könnte die Mannschaft etwas für die Statistik tun. Seine Zweitliga-Standard-Punktzahl von 38 Zählern hat der FSV ja bereits erreicht. Wenn der Spannungsabfall an den beiden noch ausstehenden Spieltagen konserviert werden kann, vermag die Mannschaft vielleicht noch ihr bisher indiskutabel respektables Torverhältnis zu korrigieren. Man bedenke: Vor dem Duisburg-Spiel betrug es 41:46, also -5, was man so natürlich nicht stehen lassen konnte. Jetzt sind es immerhin schon 41:50, mithin -9, was sich doch schon ein wenig anders anhört. Es wird dennoch nicht ganz einfach, den in den beiden vorangegangenen Spielzeiten verfolgten Trend zu bestätigen oder gar auszubauen. Demzufolge veränderte die Mannschaft ihre Torbilanz von -13 (Saison 2008/09, 34:47 Tore) auf -21 (2009/10, 29:50). Selbst bei wohlwollender Prognose mit zwei 6:0-Klatschen in Augsburg und zum Abschluss zu Hause gegen Aue könnte allenfalls noch das Ergebnis von 2010 erreicht werden. Um das Torverhältnis um weitere acht Gegentreffer aufzupolieren und damit den Trend zu bestätigen, hätten wir uns schon für die Relegationsspiele qualifizieren müssen. Dieser Weg ist ja bekanntlich durch die unverschämt gute Vorrunde leider verbaut, doch was nicht ist, kann ja noch werden, zum Beispiel in der kommenden Saison.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Euch
Euer aller Frankybeauftragter.

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2 Gedanken zu „Mannschaft setzt Boysens Vorgaben um

  1. Hartmut Blaum

    Reuige Rückkkehr eines alten Anhängers und Ur-Frankfurters

    Jahrzehntelang suhlte ich mich in der Erinnerung an die glorreichen Zeiten des FSV, als ein Armin Hary Weltrekord über 100 Meter lief. Als FSV’ler, wohlgemerkt. Als alter Leichtahtlet nahm mich mein Bruder als zarten Jüngling oft mit auf den Hang, und wie schön, die alte Tribüne lebt noch, sie hat sich nicht verändert. Auf die ehemalige Aschenbahn habe ich noch selbst gekotzt, als ich nach einem 800-Meterlauf hinter der Linie zusammengebrochen bin. Leider ist die nicht mehr da. Und meine 100-Meter-Bestzeit verdankte ich der unnachahmlichen Hang-Atmosphäre und dem deutschen Schulsport. Der gute alte muffige Tribünenkasten verbreitet noch immer eine wohlige Heimatatmosphäre. Die sollte man erhalten. Wieso abreißen? Unter Denkmalschutz stellen und der Route der Industriekultur angliedern. Mit Efeu beranken in blau-schwarz. Und die Frauen klöppeln zur Winterzeit für die Tribüne ein nettes Stoffhäubchen. Das wär was. Gerne erinnere ich mich der Zeiten, als ich nackend in der Umkleidekabine stand als 18-jähriger Spieler der Soma um Kamerad Thorhauer, um überraschend die unbekleideten Spielerinnen der Frauen-FSV-Kickerinnen zu sehen. Dasss sind Erinnerungen! Ich vermute, dass ich damals zu einer männlichen Reaktion nicht in der Lage war. Schockzustand!Denn zu Olims Zeiten gab’s das Wort Frauenfußball nur hinter vorgehaltener Hand. Konnten die kicken? Ja, sie konnten. Und er Ladyshave war damals auch noch nicht erfunden.

    So traute ich mich nun nach Jahrzehnten wieder mal auf den Hang, mit schlechtem Gewissen eines Urfrankfuter Exilanten, den es an den westlichen Untermain verpflanzt hat. Und was sah ich da? Nette Menschen im O-Two-Block, die teils sogar noch gemäßigt hessisch sprachen. Wie geil! Frischluft in Orkanstärke gartis, nette Kumpels, und den herzallerliebsten Frankie, der sich ins Herz der Weltbevölkerung hineinschaffen sollte. Wenn man nur wüsste, wie Bernhard Gryzimek dieses wuselige Etwas deklariert hätte. (Guten Abend, meine lieben Freunde!)

    Ach ja, da war ja auch noch das Bier. Schmeckte. Man nahm mich als fremden Wanderer zwischen den Welten herzlich auf und spendierte mir sogar noch zwei Halbe Maß. Und erst das tolle Ballnetz. Da fehlt nur noch die Spinne Tutulla aus der Pupsbuger Augenkiste drin, die den Ball fängt und aussaugt.

    Und dann war da auch noch das Spiel gegen Duisburg. Meine Freundin wird’s freuen, kommt sie doch daher. Die Sprintschnelligkeit der Frankurter Akteure war atemberaubend, diser Biss, dieser Kampfeswille in Halbzeit eins. Ich war begeistert. Da dachte ich doch mit Wohlbehagen an die ehemaligen Sprinter und Leichtahtleten der FSV -Soma zurück – stets schneller als jeder Ball, nur mit dessen Behandlung haperte es a weng. Doch wir waren dem Ball und dem Gegner und dem Blick des Schiris immer einen Schritt voraus. Ja das Spiel. Manchmal hätte ich mir gewünscht, mal selbst auf den Platz zu gehen, um e bissie zu helfen beim Rennen. Gut fand ich vor alledem, dass man mit dem Ticket mit der Tram heimfahren kann. Da ich also nun im fortgeschrittenen Alter befindlich und trotz steten körperlichen und geisigen Verfalls nie zur Eintracht, dem OFC oder wo annersder hin gehen werde, bleibt auch fürderhin nur der Hang. Ich komme wieder. Trotz alledem oder gerade desdewesche. Vielleicht schon gegen Aua.

    Liebe schwarz-blaue Grüße aus der Diaspora Euer Loris

    Antwort
  2. Pingback: Wo war Hartmut L. Blaum? | BORRACHOS BORNHEIM

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